Studienreise

8. September 2016

Wer eine Reise macht, kann was erzählen

img_1936_08Bei den Jungbauern wird Bildung ganz groß geschrieben, was für uns auch bedeutet über den Tellerrand zu blicken, andere Kulturen kennen zu lernen und agrarisches Wissen auszutauschen. Daher organisiert die Österreichische Jungbauernschaft seit einigen Jahren fachspezifische (Agrar-) Studienreisen in die unterschiedlichsten Regionen der Welt. Vergangene Ziele führten wissensdurstige Jungbauern nach Australien, Brasilien, Südafrika, Argentinien, in die Baltischen Länder, Frankreich, Belgien, Dänemark, Ungarn oder Armenien.

Für junge Leute im Agrarsektor ist der Vergleich wichtig und eine Studienreise ermöglicht so manch einen wichtigen Einblick in andere Produktionsweisen und Produktionsstandards. Die Palette reicht von modernster Landtechnik auf riesigen landwirtschaftlichen Nutzflächen, wie z.B.: in Australien bis hin zu kleinbäuerlicher Urproduktion in benachteiligten Gebieten in Armenien. Hier und dort hängen die Produktivität und Wirtschaftlichkeit aber von der Motivation und Innovation des Bauern ab. Natürlich spielen überall auch die richtigen Rahmenbedingungen eine tragende Rolle bei der Entwicklung der Landwirtschaft in einem Land, die Situation und der Stellenwert der Landwirtschaft lassen sich meistens von den vorherrschenden politischen und wirtschaftlichen Systemen ableiten.

Die Studienreise 2009: Russland

img_8689_04Noch nie zuvor war das Interesse an einer Studienreise so groß wie heuer. Ob es an der Anziehungskraft der Supermacht Russland lag, und / oder an den einzigartigen agrarischen Programmpunkten, 34 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz Österreich brachen im Mai in Richtung „kalter“ Osten auf. Neben der Besichtigung unterschiedlicher agrarischer Großbetriebe und erstmalig auch Gesprächen mit Vertretern aus der Agrarwissenschaft, galt es auch die kulturelle Vielseitigkeit des Landes mit seiner großen Vergangenheit – vom Zarentum bis zum Kommunismus – zu erkunden.

Das größte Land der Erde hat eine Landesfläche von 17 Mio. km² und 143 Mio. Einwohner. Diese enorme Fläche ist aber nur teilweise landwirtschaftlich nutzbar, die Landwirtschaft macht lediglich 4,6 % des BIP aus und ca. 10% der Bevölkerung arbeiten im landwirtschaftlichen Bereich. Verglichen mit der Europäischen Union funktioniert die landwirtschaftliche Produktion im mächtigen Russland unter wesentlich schlechteren Klima- und Naturbedingungen. Laut Untersuchungen der Moskauer Universität sind die Durchschnittserträge eines Hektars landwirtschaftlicher Nutzfläche in Russland halb so hoch wie in der EU.

Tiefgreifende Veränderungen im agrarischen Sektor brachte die Machtübernahme durch die kommunistische Partei Anfang der Zwanziger Jahre. Ab 1928 wurden alle selbständigen Bauern enteignet und zu Lohnarbeitern der Kolchosen. Durch strenge und niedrige Ablieferungsquoten blieb die Arbeitsproduktivität der staatlichen Landwirtschaft extrem niedrig. Die Folge war, dass die Sowjetunion ihre Bevölkerung nicht mehr mit der eigenen Landwirtschaft ernähren konnte. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetmacht wurde versucht, eine Umverteilung auf kleinere landwirtschaftliche Produktionseinheiten zu ermöglichen. Da jedoch nahezu jegliche staatliche Regulierung oder Kontrolle fehlte, lief dieser Umverteilungsprozess äußerst unstrukturiert ab. Es entstanden einige wenige marktbeherrschende Großunternehmen, die aus Teilen früherer staatseigener Betriebe hervorgingen.